FrauenWEGE – Helene Düttmann

  • Historische Stätte

Mit dem Motorrad für werdende Mütter unterwegs: Helene Düttmann galt als Pionierin ihrer Arbeit.
Den Hebammenkoffer fest hinter sich verstaut, fährt „Raulwes Lene“ bei Wind und Wetter über die schmalen Straßen des Hümmlings – oft mitten in der Nacht, wenn irgendwo ein Kind zur Welt kommen will. Sie gilt in Lahn und Umgebung als eine feste Größe: Sie ist Vertrauensperson, Helferin und oft die erste, die ein Neugeborenes in den Armen hält.
Nach ihrer Hebammenausbildung in Osnabrück lässt sie sich mit ihrem Mann in der Ostenwalder Straße in Lahn nieder. Schnell wird klar, wie dringend ihre Arbeit gebraucht wird. Sie begleitet Geburten nicht nur in Lahn, sondern auch in Hüven, Berßen, Ahmsen, Harrenstätte und Wieste. Wenn die Nachricht kommt, dass ein Kind unterwegs ist, macht sich Lene sofort auf den Weg. Die Frauen aus der Region wissen: Auf Raulwes Lene ist Verlass. Mit fachlicher Sicherheit und einer klaren, entschlossenen Art unterstützt sie Frauen in der Schwangerschaft, während und nach der Entbindung. Vierzehn Tage lang schaut sie täglich nach dem Rechten, hilft beim Stillen und gibt Ratschläge. Gleichzeitig erlebt sie auch die schweren Seiten ihres Berufs. In einer Zeit, in der Kindersterblichkeit noch deutlich höher ist als heute, spendet sie Nottaufen und begleitet Familien durch bange Stunden. Erkennt sie Risiken, zögert sie nicht, den Weg ins Krankenhaus zu empfehlen und bleibt auch dort an der Seite der Frauen.
Fortschritt und Eigenständigkeit
Als eine der ersten Frauen der Region mit Führerschein und eigenem Fahrzeug steht sie für Fortschritt und Eigenständigkeit. Zwar ist sie im Ort oft auf dem Fahrrad unterwegs, für weitere Strecke nutzt sie jedoch erst das Motorrad und später das Auto. Ihr Einsatz geht dabei auch über die eigentliche Hebammenarbeit hinaus: Sie kümmert sich um die Neugeborenen bei ihren Taufen und begleitet viele Familien eng, oft über Jahre hinweg.
Auch privat geht Düttmann einen ungewöhnlichen Weg und trägt als Hauptverdienerin Verantwortung für ihre Familie mit fünf Töchtern. Ab Mitte der 1960er-Jahre arbeitet sie im Krankenhaus in Sögel und passt sich damit den veränderten Strukturen an.
Wegbereiterin im ländlichen Raum
Mit ihrer staatlichen Prüfung und der offiziellen Niederlassungserlaubnis gehört sie zu den frühen Wegbereiterinnen ihres Berufsstandes und sichert eine verlässliche Betreuung rund um Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge im ländlichen Raum, die für viele Frauen unerlässlich ist. In Lahn bleibt die Erinnerung an Raulwes Lene bis heute lebendig als Hebamme mit großer Tatkraft, warmer Menschlichkeit und einem Beruf, den sie mit beeindruckender Hingabe lebte.
 
Vollständiger Name: Helene („Raulwes Lene“) Düttmann geb. Niehaus
Geboren: 1909 in Ahmsen
Gestorben: 1992 in Sögel
Beruf: Hebamme
Bezugspunkt im Emsland: Ostenwalder Straße in Werlte

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