FrauenWEGE – Klara Terglane

  • Historische Stätte
Sie war da, wenn das Leben begann: Klara Terglane, die erste bekannte Hebamme in Spelle.
Auch wenn über Klara Terglane nur wenig bekannt ist, ist sie im kollektiven Gedächtnis Spelles lebendig. Kein Wunder: In ihrer über 50-jährigen Tätigkeit half sie rund 2.000 Kindern auf die Welt. Für die Samtgemeinde – die erst 1928 ihren eigenen Arzt bekam – war Klara Terglane eine wichtige Ansprechpartnerin in medizinischen Fragen. In Spelle gilt die Hebamme als vertrauenswürdig und pflichtbewusst. Wenn sie die Nachricht von einer bevorstehenden Geburt erhält, holen Angehörige sie mit dem Pferdewagen ab. Oft geht sie zu Fuß zu den Müttern, später nimmt sie das Fahrrad. Touren von zehn Kilometern über schlechte Wege sind keine Seltenheit. Klara Terglane hilft auch Frauen, die das Honorar nicht bezahlen können, oder schenkt ihnen eine Erstausstattung für das Baby, wenn das Geld dafür fehlt.
Typisches und Ungewöhnliches
Klara Terglanes erster Ehemann Gerhard Joseph Deitermann stirbt laut Eintrag im Kirchenbuch 1886 nach vier Jahren Ehe. Sie heiratet daraufhin den Schuhmacher Gerhard Terglane. Zwei Kinder bringt sie mit in die Ehe, zusammen bekommt das Paar acht weitere Kinder. In dieser Hinsicht ist Klara Terglanes Biographie typisch für eine Hebamme der damaligen Zeit. Oftmals waren es Witwen oder Handwerkerfrauen, die den Beruf ausübten, um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu bestreiten bzw. aufzubessern. Ungewöhnlich ist, dass Klara Terglane bereits 1881 ihre Hebammentätigkeit beginnt – vor ihrer ersten Hochzeit. Damals wurden Hebammen bevorzugt, die bereits selbst Mutter waren. Die Jahreszahl 1881 entstammt der Mitgliederliste des Lingener Hebammenvereins, dessen Gründungsmitglied sie ist. Ziel des Vereins war es, das Ansehen der Hebammen zu verbessern und sich gegenseitig zu unterstützen.
Über 50 Jahre im Dienst
Auf welchem Wege Klara Terglane ihre Ausbildung erhalten hat, ist nicht bekannt. Das Vertrauen in sie ist jedenfalls hoch. Ihre Familie wohnt direkt neben der Kirche. Manchmal suchen Speller sie nach der Messe auf oder der Pastor leitet über einen Messdiener wichtige Nachrichten weiter. 1931 erhält Klara Terglane anlässlich ihres 50-jährigen Dienstjubiläums Glückwünsche und Geschenke von der preußischen Regierung, dem Landrat, vom Hebammenverein und vom Mütterverein Spelle/Venhaus. Bis kurz vor ihrem Tod 1935 soll sie tätig gewesen sein – auch das ist typisch für Hebammen der damaligen Zeit, da es keine Altersvorsorge für sie gab. 1992 widmet die Samtgemeinde Spelle ihrer erster bekannten Hebamme eine eigene Straße.
 
Vollständiger Name: Anna Clara Terglane, geb. Fenbers
Geboren: 26. April 1860 in Spelle
Verstorben: 31. Mai 1935
Eltern: Johann Gerhard Fenbers (Heuermann, 1801-1863) und Christina Elisabeth Wiechers (1815-1877)
Beruf: Hebamme
Bezugspunkt im Emsland: Klara-Terglane-Straße, Spelle
 

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